Wundermittel CBD-Öl?

CBD-Öl: Das CBD Buch über die Wirkung und Anwendung von Cannabidiol - Wissenswertes über die Legalität von Cannabis Öl als hochwirksames Heilmittel Kindle Ausgabe
von Thomas Kleitz  (Autor) CBD

Das Heilversprechen aus dem Hanf

CBD – der Wirkstoff aus Cannabis – erlebt gerade einen Höhenflug. Entspannung kann man sich in Form von CBD-Öl unter die Zunge träufeln – das zumindest behaupten diejenigen, die es als Wundermittel feiern. Das Geschäft mit dem legalen Hanf-Präparat boomt – obwohl die gesundheitlichen Wirkungen bisher nicht ausreichend untersucht sind. Das Öl daraus kann bei vielen Gesundheitsproblemen helfen, behaupten die einen. Experten sehen kaum mehr als einen beruhigenden Effekt. Wer hat recht?

CBD-Öl ist ein wahres Wundermittel – glaubt man den vielen Lobpreisungen im Internet. Drogerieketten haben die teuren Tropfen zwar wegen der unklaren Rechtslage aus dem Sortiment genommen (siehe Video), doch im Netz blüht der Handel damit. Bei kaum einem Gesundheitsproblem soll es nicht helfen. Was ist dran? Die Wirkung setzt angeblich nach einer halben Stunde ein. Eine Welle der Entspannung soll dann den Körper durchströmen.

Hauptwirkstoffe der Cannabispflanze sind CBD (Cannabidiol) und THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol). Im Gegensatz zum THC, das psychodelische Wirkung hat, sprich „high“ macht, wirkt das CBD nicht psychoaktiv. Vielmehr soll CBD entkrampfend, schmerzstillend und entzündungshemmend wirken.

Außerdem wird ihm eine beruhigende und angstlösende Wirkung nachgesagt. Aufgrund des niedrigen THC-Gehalts sind CBD-Produkte theoretisch legal – was sie zum Liebling der Lebensmittelindustrie macht: In den letzten Jahren haben Hersteller allein in Deutschland mehr als 100 Nahrungsergänzungsmittel mit CBD auf den Markt gebracht.

Wichtig: Anders als das streng verschreibungspflichtige THC-Öl enthält CBD-Öl nur sehr geringe Mengen THC (maximal 0,2 Prozent) und ist deshalb rezeptfrei erhältlich. THC-Öl dagegen fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und wird zur Behandlung etwa von starken Schmerzen und verschiedenen Nervenleiden eingesetzt.

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Die Idee von der natürlichen Entspannung vermarktet sich hervorragend. So bieten Cafés in den USA inzwischen CBD-Kaffees an, in Hollywood sind Cocktails mit CBD der letzte Schrei. Es gibt den Stoff als Cremes, Eis, Gummibärchen und Massageöl. Angeblich denkt auch Coca-Cola darüber nach, ein CBD-Getränk zu entwickeln. Brownies und Kaffee werden mit CBD versetzt, genauso wie Cremes, Shampoos und Kaugummis. 

Besonders beliebt ist es in Form von Öl: mit Hanfsamen-Öl vermischtes CBD-Extrakt, das man sich unter die Zunge träufelt. Die kleinen Fläschchen gibt es mit 2,5/5/10 oder 15 Prozent Wirkstoff. Je nach Extraktionsverfahren hat CBD-Öl eine dunkelbraune bis goldene Farbe, die an Olivenöl erinnert. Konsumenten beschreiben den Geschmack als „erdig, herb bis mild“.

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Zu kaufen gibt es CBD-Öle in Apotheken, Online-Shops sowie Hanfläden. Zwischenzeitlich hatten auch die Drogerieketten dm und Rossmann die Hanfextrakte geführt, sie dann aber wegen rechtlicher Bedenken wieder aus dem Sortiment genommen.

Hintergrund: Die EU ist sich noch unsicher, ob CBD-haltige Erzeugnisse weiterhin als Nahrungsergänzungsmittel gelten oder ob es für den Arzneimarkt zugelassen werden soll.

Dem Hype um CBD steht die Frage nach dem gesundheitlichen Nutzen gegenüber – und damit verbunden auch die Frage nach möglichen Risiken. Denn dem vermeintlichen Wundermittel wird über die Entspannungsaspekte hinaus so viel heilende Wirkung nachgesagt, dass einem bei der Aufzählung fast schwindelig wird. Es soll schmerzlindernd und antidepressiv wirken, von Krämpfen befreien, entzündungshemmend sein und Nervosität verschwinden lassen.

Ist die Wirkung von CBD nur ein Placebo-Effekt?

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von Franjo Grotenhermen  (Autor)

All das würde Franjo Grotenhermen unterschreiben. Der Allgemeinmediziner mit Praxis in Rüthen (NRW) glaubt an die therapeutische Wirkung von Hanf, ist Vorsitzender des Vereins „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ und hat ein Buch über Anwendung und Wirkung von CBD geschrieben. Grundsätzlich, so Grotenhermen, müsse man jedoch die zahlreichen, frei verkäuflichen Lifestyle-Produkte von medizinischem (rezeptpflichtigem), hochdosiertem CBD unterscheiden: „Mit täglich dreimal drei Tropfen CBD-Öl mit einer geringen Konzentration sind wir fast im Placebo-Bereich. Das ist mit geringen Baldrian-Dosen vergleichbar“. Letzteres könne, je nach individueller Ansprechbarkeit, „starke pharmakologische Wirkungen“ erzielen. Aber gibt es dafür wissenschaftliche Beweise?

Der wissenschaftliche Beweis für die Wirkung von CBD fehlt

Ganz anders sieht das Prof. Dominik Irnich, Leiter der Schmerzambulanz am Klinikum der Universität München (LMU). Für ihn ist insgesamt nicht nachgewiesen, dass Cannabinoide schmerzlindernd sind. „Es gibt bisher keine hochwertigen Studien, die das belegen“, sagt er gegenüber FITBOOK. Eine „sehr spezielle Ausnahme“ sei die gute Wirkung von hochdosiertem, isoliertem CBD bei der Behandlung von Epilepsie bei Kindern. Ebenfalls erfolgreich eingesetzt würden (synthetische) Cannabinoide in der Chemotherapie (übelkeitssenkend) sowie Palliativmedizin (appetitsteigernd). An der Berliner Charité wird gerade erforscht, ob CBD bei Schizophrenie helfen kann.

Die subjektiven Erfahrungsberichte, wie sie zu Tausenden in Internet-Foren nachzulesen sind, die CBD als das neue Wundermittel für alles feiern, sei davon zu trennen. Irnich: „Mag sein, dass der Konsum von CBD-Produkten dem einen oder anderen guttut, vielleicht sind auch Kommentare interessengesteuert. Einen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt es nicht.“

„Sich Entspannung mit Öl zu kaufen, ist kurzsichtig“

Für weitaus problematischer als die Frage nach der medizinischen Wirkung hält der Schmerzmediziner den lockeren Umgang mit frei verkäuflichen CBD-Produkten. „Ich würde nicht sagen, dass es hochgradig gefährlich ist“, sagt Irnich. Sich Entspannung mit Öl zu kaufen, hält er für kurzsichtig: „Das ergibt keinen Sinn. CBD hat sehr viele unterschiedliche Wirkungen im Körper und wir kennen die Langzeitfolgen noch nicht.“

Wie CBD im Körper wirkt

Cannabinoide sind eine körpereigene Substanz. Diese sogenannten Endocannabinoide wirken entscheidend auf unseren Stoffwechsel, das Immun- und Hormonsystem (insbesondere die Geschlechtshormone), steuern Geistesfähigkeiten (bspw. das Lernen), Gefühlsverarbeitung, Wahrnehmung und Schmerzempfinden. Wird dieser Stoff nun von außen ersetzt, fängt der Körper an, umzustellen: Die eigene Produktion verkümmert. 

Wer sich nach Entspannung sehne, solle Stressfaktoren abbauen oder versuchen, seine Stressverarbeitung zu verbessern. Der Tipp des Professors: „Konzentrieren Sie sich auf die eigenen Kräfte, anstatt Ihren Stoffwechsel langfristig durcheinanderzubringen!“

Wogegen hilft CBD?

Epilepsie: CBD kann ersten Ergebnissen zufolge vor allem bei Kindern bei der Behandlung von Epilepsie unterstützend wirken und epileptische Anfälle seltener machen.

Schmerzen: Cannabinoide haben eine schmerzstillende Wirkung. Damit kann CBD bei Gelenkschmerzen, aber auch Kopfschmerzen (Migräne) und Menstruationsschmerzen eine positive Wirkung haben. Auch bei Fibromyalgie und Arthritis wurde CBD bereits wirksam eingesetzt.

Hautprobleme: Auch bei Neurodermitis, Akne und anderen Hautproblemen kann CBD eine lindernde Wirkung erzielen, wie eine im Journal of Clinical Investigation veröffentlichte Untersuchung zeigt.

Angst: Wie Studien belegen, kann Cannabidiol die Produktion von Angsthormonen bremsen. Dabei wirkt sich CBD nicht nur positiv bei alltäglichen Ängsten aus, sondern es hilft offenbar auch bei Angsstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen.

Stress und Schlafstörungen: CBD hat eine entspannende Wirkung, wodurch sich die Schlafqualität verbessert. Auch stressbedingte Probleme wie Nervosität oder Gereiztheit sollen durch CBD vermindert werden.

Krebstherapie: Ebenfalls wurde erforscht, dass CBD-Öl für ein schnelleres Absterben von Krebszellen sorge, das Tumorwachstum verlangsame und die Metastasen hemme. Auch bei Chemotherapien kann CBD-Öl die Nebenwirkungen lindern.

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Nebenwirkungen bei CBD

Neben positiven Wirkungen stellten Forscher in Studien allerdings auch unerwünschte Effekte des medizinischen Marihuanas fest – etwa Schläfrigkeit. Auch Mundtrockenheit, Benommenheit und Schwindel sind möglich. Denn CBD senkt den Blutdruck etwas. 

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Vom gefeierten Wundermittel CBD bleibt nicht mehr viel übrig, wenn man nach wissenschaftlichen Belegen für dessen Wirkung fragt. Von dreimal drei Tropfen pro Tag, wie es viele Lifestyle-Konsumenten praktizieren, ist nicht viel mehr als ein Placebo-Effekt zu erwarten. Aussagen über die entspannende Wirkung sind als solche zu betrachten, was sie sind: subjektive Erfahrungsberichte, für die es bisher keine Belege gibt. Und wenn man Entspannung braucht, ist es vielleicht auch ratsam, sich auf sich selbst zu konzentrieren – um vielleicht etwas an den Bedingungen zu ändern, die eine Entspannung im Alltag verhindern.

Wen all das nicht abschreckt und CBD-Öl ausprobieren möchte, für den ein paar Tipps:

Was vom Hanfsamen bis zum fertigen Extrakt von ein und demselben Produzenten kommt, ist meist in der Reinheit gut. Von Produkten aus China sollte man die Finger lassen. Für ein hochwertiges 5-Prozent-CBD-Öl sollte man 30 bis 35 Euro ausgeben, für eins mit 15 Prozent Extrakt mindestens 100 Euro.

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Quellenangabe: fitbook.de

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